"Hochzeit im Pyritzer Weizacker"

(Choreographie Eike Haenel)

 

Der Pyritzer Weizacker ist eine der schönsten Gegenden Pommerns. Die Weizenfelder haben seine Bauern reich gemacht. Und ihr Reichtum drückt sich in den Trachten aus. Je reicher der Bauer, je größer sein Hof, desto farbenprächtiger bestickt waren Umhang und Schürze der Bäuerin, desto mehr (bis zu 12) Unterröcke trug sie.

Eine Hochzeit im Pyritzer Weizacker dauerte drei Tage und drei Nächte. Wer
eher verschwand, den holte man zurück, band ihn - wenn er Widerstand leistete - in einen Sack und karrte ihn mit der Schubkarre zurück ins Hochzeitshaus. Um Mitternacht erschienen Schimmel, Schnabbuck und der maskierte Führer in langem Mantel mit großem Lärm von der Straße her. Der Schnabbuck, ein ziegenhaftes Ungeheuer mit langer roter Schlappzunge und schrecklichen Zähnen im klappenden Unterkiefer, sorgte durch derbe Späße dafür, daß sich alle Gäste auf Stühle und Tische flüchteten. Ohne Schimmel und Schnabbuck war eine Hochzeit im Weizacker keine Hochzeit. Sie brachten Glück in die Ehe.

Auf einer Hochzeit im Pyritzer Weizacker wurde naturgemäß viel getanzt. Neben geselligen Tänzen Volkstänze mit einer uralten Vergangenheit. So der Brutlüchtertanz (Brautlichtertanz), der nur von Mädchen mit brennenden Kerzen getanzt wurde. Eine uralte Symbolik lag in diesem Tanz. Die brennenden Kerzen riefen die Seelen der Urahnen. Sie mußten ihre Zustimmung zu dieser Verbindung geben. Oder der Rückelreih: mit ihm wurde die Braut aus der Gemeinschaft der Ledigen ausgetanzt. Der Tanz zeigt das Abschiednehmen der Braut von den Gespielinnen und das gewaltsame Herausreißen der Braut aus dem Kreis der Mädchen durch die verheirateten Frauen. Ihr wird die Hochzeitskrone abgenommen und die Haube aufgesetzt. Erst jetzt ist die Braut unter der Haube und damit verheiratet.

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