Der pommerscher Krakowiak

(Choreographie Eike Haenel)

Russische Hockschleuderschritte oder Kosakenschritte in Pommern, in Deutschland, gab es die? Man kann es kaum glauben, aber es gab sie. Im 18. Jahrhundert waren sie in ganz Pommern allgemein beliebt und gute Kossak-Tänzer waren auf jedem Erntefest und jeder Hochzeit ganz besonders gern gesehene Gäste. Wie sind diese Tiefschritte nun nach Pommern gekommen?

So ganz typisch russisch sind sie im Ursprung übrigens nicht, denn sie stammen aus China und sind durch ganz Europa gewandert. Die ungarisch-slowakischen Haiduktänzer kennen sie und in schwedischen und norwegischen Burschentänzen kommen sie vor. Immerhin wäre da eine Übernahme aus dem Osten möglich. Aber nun tanzen sie die Engländer auch in „Hornpipe-Formen“, die Iren im „Jig“, die Schweizer beim „Gäuerlen“, die Franzosen im „Rigaudon“, Spanier in der „Charrada“ und sogar griechische Hirten in Attika. Weitere Forschungen ergaben, dass bereits die alten Griechen vor über 2.000 Jahren den Hockschleuderschritt von den Persern als „Óklasma“ übernahmen und selbst die Etrusker kannten ihn. Und bei den nordafrikanischen Mangbetu sah ihn der Forschungsreisende Schweinfurth. Mit einfachen Zuordnungen ist es also nicht immer getan.

Willi Schultz, Pommerns bedeutendster Volkstanzforscher, hat den Tanz in seinen Tanzbüchern aufgenommen und meint, dass die Pommern durchziehenden Kosaken – Kolberg wurde während des siebenjährigen Krieges dreimal von den Russen belagert – Tanzschritte abgeschaut haben und mit eigenen Tanzformen vermischten. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass polnische und ukrainische Schnitter, die während der Erntezeit nach Pommern auf die großen Güter strömten, die Tiefschritte mitbrachten. Auf den Erntefesten und auf den Hochzeiten – geheiratet wurde nach der Ernte – wurde in Pommern naturgemäß viel getanzt. Da werden die ´Gastarbeiter´ aus Polen und der Ukraine ihre Tanzschritte eingebracht und damit viel Erfolg in der Frauenwelt gehabt haben. Das ließen die pommerschen Bauernburschen wiederum nicht auf sich sitzen und brachten ihrerseits attraktive Solostellen ein, die sie teilweise auch mit Mädchen tanzten. So ist mit der Zeit ein Tanz entstanden, der deutsche und slawische Tanzelemente miteinander verbindet.

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