Tanz- und Folkloreensemble "Ihna"

aus Erlangen

Fränkischer Tag, 30.9.2003

Mit Schwertern getanzt und auf Panzer geklettert

„Ihna“ traf in Wladimir auf „Rasgulai“ und „Wladimirez“ – Überraschungsauftritt vor russischen Soldaten

ERLANGEN. Rund 40 Mädchen und Jungen aus Wladimir standen früh um 4 Uhr bibbernd und frierend an einem russischen Bus in Wladimir um das Tanz- und Folkloreensemble „Ihna“ zu verabschieden. Sechs Tage hatte die „Ihna“ in russischen Familien gelebt und jetzt ging es auf der Heimreise zum Flughafen nach Moskau.

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Gemeinsames Gruppenbild der Erlanger Tanzgruppe "Ihna" mit ihren Freunden von "Wladimirez" in der Partnerstadt. Fotos:privat

Zu den Feierlichkeiten „20 Jahre Partnerschaft Wladimir – Erlangen“ waren rund 340 Bürger nach Wladimir gereist (der FT berichtete). Das Tanz- und Folkloreensemble „Ihna“ war die einzige Gruppe, die die Zeit in russischen Familien verlebte. Damit revanchierte sich das Folkloreensemble „Wladimirez“ für die vielen Aufenthalte in Erlangen, die sie ihrerseits in Erlanger Familien verbracht hat.
„Der unbestrittene Höhepunkt des Eröffnungskonzertes in der Wladimirer Philharmonie waren die zwei Jahrmärkte der deutschen Gruppe „Ihna“ und der russischen Gruppe „Rasgulai“, die beide gemeinsam gestalteten,“ wie die russische Zeitung „Molwa“ schrieb. Viele Reden der Erlanger und Wladimirer Prominenz, eine große Anzahl russischer und deutscher Kulturbeiträge ließ diese Veranstaltung ausufern, so dass aus den vorgesehenen zwei glatte vier Stunden Programm wurden.
Anderntags zeigt die „Ihna“ allein ihr abendfüllendes Programm „Lieder und Tänze aus Deutschland“. Im gut besuchten Kulturhaus von Wladimir begeisterten die Erlanger mit alten deutschen Volks-, Kult- und Zunfttänzen, mit Volksliedern und Tanzpotpourris, in denen authentisches Brauchtum eingewoben ist.

Schon von Tacitus in der Germania erwähnt
Höhepunkt auch beim russischen Publikum war wieder einmal der „Schwertertanz“, der schon von dem römischen Geschichtsschreiber Tacitus in der „Germania“ erwähnt wird. Nach mehreren Zugaben bedankte sich Leiter Eike Haenel bei der Leiterin von „Wladimirez“, Nina Peschkowskaja, und überreichte einen Zinnteller mit Erlanger Motiven. Das Bayerische Fernsehen, in Wladimir präsent, zeigt Ausschnitte des Programms.
Der nächste Tag brachte die Überraschung der kleinen Tournee: die „Ihna“ trat mit ihrem Programm vor dem 44. Panzerbataillon der russischen Armee auf. Die Veranstaltung fand in einem Theater innerhalb der Kaserne statt. Das 44. Panzerbataillon ist Nachfolger des neunten Panzerbataillons, das 1945 Berlin einnahm und auf dem Brandenburger Tor die rote Fahne hisste. Zahlreiche Fotos im „Allerheiligsten“, einem Raum, in dem alle Orden, Fahnen, Ehrenzeichen und Ehrungen ausgestellt sind, künden noch heute davon.

Eike Haenel (rechts) tauscht beim Kasernenabend mit Verbindugsoffizier Uslan Geschenke aus.

Die Vorführungen des Tanz- und Folkloreensembles „Ihna“ wurde von den russischen Soldaten mit großer Begeisterung aufgenommen. Nach mehreren Zugaben überreichte Eike Haenel dem Verbindungsoffizier Uslan, der für die Organisation zuständig war, einen Zinnteller mit Erlanger Motiven, der seinen Platz im „Allerheiligsten“ finden wird. Die Erlanger ihrerseits erhielten eine Urkunde des Bataillons, in der ihr hohe Professionalität bescheinigt wird.

Soldaten haben in zwei Jahren eine Woche Urlaub
Anschließend führte Kommandeur Oberst Belikow durch die Kaserne und beantwortete Fragen. Die Erlanger Jungen kletterten auf den Panzern herum und ließen sich fotografieren. Sie erfuhren, dass die russische Dienstzeit zwei Jahre mit einem einwöchigen Urlaub beträgt und dass die russischen Soldaten in dieser Zeit keinen Ausgang haben.
Sie überzeugten sich in den sauberen Mannschaftsunterkünften, dass 70 Soldaten einen Raum bewohnen. Auch heute noch ist die russische Armee nach preußischem Muster aufgebaut und die Gebäude, Ende des 18.Jahrhunderts gebaut, haben Ähnlichkeit mit der Artilleriekaserne in Erlangen. Zum Abschluss des ereignisreichen Tages lud der Divisionskommandeur Tarantin (vier Bataillone sind eine Division) zu einem gemeinsamen Essen.
Eine ganz andere Variante der russischen Gastfreundschaft lernte die „Ihna“ in dem Dorf Energetik kennen. Nach einem gemeinsamen Konzert mit der russischen Partnergruppe „Wladimirez“ im Rahmen eines Dorffestes wurde die „Ihna“ mit Salz und Brot im Gemeindehaus empfangen. Die Tische bogen sich förmlich unter der Last des warmen und kalten Büfetts. Bei viel Gesang und Trinksprüchen wurde die sprichwörtliche russische Seele sichtbar.
Der Abschlussabend versammelte noch einmal die Tänzerinnen und Tänzer von „Wladimirez“ und „Ihna“. Gab es im offiziellen Programm der beiden Partnerstädte Wladimir und Erlangen diverse Schwierigkeiten und Pannen, so traf das auf das von „Wladimirez“ vorbereitete Programm nicht zu. Im Gegenteil: es war ausgewogen, interessant und hatte viele Höhepunkte.
Und so stellte Ihna-Leiter Eike Haenel zum Abschluss fest: Erlangen und Wladimirez haben eine 20-jährige Partnerschaft. „Ihna“ und „Wladimirez“ jedoch haben eine 18-jährige Freundschaft.