Fränkischer Tag, 4.12.2003
In Polen Stürme der Begeisterung entfacht
Erlanger Tanz- und Folkloreensemble „Ihna“ feierte mit Freunden von „Ina“ Jubiläum
ERLANGEN. „Kannst du uns auch solche Tänze beibringen, wie ihr sie
tanzt?“, fragte eine Reihe von polnischen Kindern Eike Haenel nach
einem Auftritt des Tanz- und Folkloreensembles „Ihna“ im polnischen
Goleniow (früher Gollnow). Er konnte es nicht, aber er verwies an
Zbigniew Lukaszewski, der die Tournee der „Ihna“ durch Polen begleitete
und selbst Tänzer in der Tanzgruppe „Siermiegi“ aus Stettin war.
Und wirklich, Lukaszewski hing seinen Ingenieur-Beruf an den Nagel,
trainierte die Kinder und ist heute Leiter des Dom Kultury in Gollnow.
Die Gruppe nannte sich nach ihrem großen Vorbild „Ina“ in polnischer
Schreibweise. Das war vor zehn Jahren.
Kürzlich feierte man das zehnjährige Bestehen in Gollnow (Goleniow) mit
einem großen Festakt und aus Erlangen waren als Ehrengäste „Gründer“
Eike Haenel und Johanna Kokocinski angereist.
Die Gründung der „Ina“ in Gollnow (Goleniow) war ein Ergebnis von
vielen Kulturprojekten, die das Tanz- und Folkloreensemble „Ihna“ im
deutschen und polnischen Pommern seit 1992 durchführt. Die Idee zu
diesen Kulturprojekten hatte Arnim Gärtner, ehemaliger Bürgermeister
des Dorfes Plöwen, kurz vor der polnischen Grenze. In Ludwik Zdanowske,
ehemaliger Dozent der Universität Stettin, fand er einen Partner auf
polnischer Seite. Finanziell unterstützt wurden die Unternehmungen
durch das Bundes-Innenministerium.
Neun Tourneen
Zehn Kulturprojekte fanden in Polen statt, neun Tourneen mit zusammen
rund 300 Tänzern unternahm das Tanz- und Folkloreensemble „Ihna“ in
diesem Zeitraum durch Polen. 14 polnische Tanz- und Gesangsgruppen mit
fast 500 Mitwirkenden hatte man in Erlangen zu Gast, die privat in
Familien untergebracht wurden.
Einer der vielen Höhepunkte in dieser Zeit war die Teilnahme des
Tanz- und Folkloreensembles „Ihna“ als einzige deutsche Gruppe an der
750-Jahr-Feier von Stettin. Die in Polen vergessene, weltberühmte
Stettiner Kreuzpolka wurde in einer Choreografie von Eike Haenel in die
frühere Hauptstadt Pommerns zurückgebracht.
Drei Tanzlehrer hatte die Ihna nach Anklam, Stettin und Goleniow
(Gollnow) geschickt. 120 deutsche und polnische Tanzpaare führten den
traditionellen Tanz im Schlosshof der pommerschen Herzöge und im
Sommertheater des Kasprowicza-Parkes vor tausenden von begeisterten
Zuschauern auf.
Jetzt wurden diese zehn Jahre mit einem Tanzfest in
Plöwen/Mecklenburg-Vorpommern gefeiert. Alle an den Projekten
beteiligten Tanzgruppen aus Vorpommern und dem polnischen Westpommern
waren vertreten. Auch aus Erlangen war die „Ihna“ mit einer Delegation
unter der Leitung von Landulf Jäger und Dirk Thiel angereist. Ihr
kurzer Tanzbeitrag wurde begeistert gefeiert.
Alle Projekte wurden von der deutschen und der polnischen Presse
aufmerksam verfolgt. „Stürme der Begeisterung für die Tanz- und
Speeldeel Ihna an der Ihna“, titelte z.B. der
mecklenburgisch-vorpommersche „Nordkurier“. „Schon nach den ersten
Tänzen waren die Besucher nicht mehr zu halten. Beifall, über
Beifall...“ schrieb er über ein Konzert in Gollnow (Goleniow).


