Nordbayerische Nachrichten, 13./14.12.2003
Vergessene Lieder
Eine Erlanger Delegation war zu Gast in Polen
Ganz im Sinne der europäischen Zukunft werden bereits seit 1977 von Erlangen aus enge Kontakte zu Polen gepflegt. Damals war die Tanz- & Speeldeel Ihna die erste Tourneegruppe, die mehrere Gastspiele in sieben Städten gab, darunter in Breslau, Warschau und Krakau.
Bei der Einweihung des deutsch-polnischen Grenzübergangs Pomellen war die Ihna dabei, ebenso bei der 750-Jahr-Feier von Greifenberg (polnisch Gryfice), dem Geburtsort von Eike Haenel, Gründer und Leiter der Ihna, die im Januar 1998 „40 Jahre pommersche Folklore“ feiern konnte. Doch die kulturelle Bindung reicht noch weiter: in der mittelfränkischen Universitätsstadt schlummerten fast 40 Jahre lang pommersche Lieder und Tänze, z.B. die „Stettiner Kreuzpolka“. Einst weltberühmt, in Polen vergessen, wurde sie in der Choreografie von Eike Haenel in die einstige Hauptstadt Pommerns zurückgebracht.
Drei Tanzlehrer der Ihna wurden nach Anklam und Stettin geschickt,
120 Tanzpaare führten den traditionellen Tanz im Schloss der
Pommerschen Herzöge zur 750-Jahr-Feier Stettins auf, unter dem Jubel
tausender Zuschauer. Kulturprojekte wie „Pommerscher Folklorefrühling“,
„Vineta“, „Pommerscher Greif“, „Zwischen Randow und Rega“ und
„Leuchtfeuer Swinemünde“ folgten und begeisterten die musikliebenden
Polen derart, dass eine Kindertanzgruppe in Gollnow (poln. Goleniów)
gegründet wurde, die den gleichen Namen trägt: Ina nach der polnischen
Schreibweise des pommerschen Flusses, der früher sogar schiffbar war
und noch heute in das Stettiner Haff mündet.
Aktueller Anlass der Reise einer Delegation der Ihna aus der
Hugenottenstadt war das zehnjährige Bestehen der Ina, das mit
Festveranstaltungen, Bankett und Gottesdienst in der berühmten
Katharinenkirche in Gollnow gefeiert wurde.
„Das Tanzfest der Jugend aus Vorpommern und dem polnischen Westpommern
aus Anlass der gemeinsamen zehn Jahre im pommerschen Raum zwischen
Peene und Rega 2003 ist ein großer Schritt zur Versöhnung ehemals
verfeindeter Völker. Hierbei haben Arnim Gärtner, der ,deutsche Pommer’
sowie Ludwik Zdanowski, der ,polnische Pommer’ mit ihren
Kulturprojekten etwas Unschätzbares geleistet“, so Eike Haenel.
M.VOLLERTSEN-DIEWERGE


