Tanz- und Folkloreensemble "Ihna"

aus Erlangen
Sonntagsblitz, 12.10.2008

Ein Leben für alte Tänze

Eike Haenel hat es mit traditionellen Choreographien zum Ruhm gebracht

ERLANGEN - „Zusammengestellt wurde das Programm von Eike Haenel.“ Dieser Satz steht unter der Ankündigung für den „Tag der Heimat“, den der Kreisverband Erlangen-Höchstadt vom Bund der Vertriebenen heute im Freizeitzentrum Frankenhof veranstaltet.

Jeder, der sich mit Folklore in Erlangen beschäftigt, weiß: Wenn Eike Haenel verantwortlich ist, wird das Programm hochkarätig. Denn mit seinen Choreographien, dem Ausgraben alten Brauchtums und den Tänzen, die er rekonstruiert hat, wurde der gebürtige Pommer weltweit bekannt und erhielt mehrere Kulturpreise.
Geboren wurde Haenel 1938 zwar in Berlin, aber die Familie ging bald nach Greifenberg in Pommern zurück, wo sie seit dem 14. Jahrhundert beheimatet war. Nach dem Krieg kam der junge Haenel über Umwege nach Erlangen, bekam einen Job bei der Stadt, organisierte Kulturveranstaltungen und Festivals, und wurde Chef vom Freizeitamt.

Wichtige Aussöhnung

Seine Eltern pflegten das pommersche und ostdeutsche Kulturgut intensiv, und Sohn Eike widmete sich vor allem der Jugendarbeit, wobei ihm die Aussöhnung mit Polen („Mein bester Freund ist ein Pole“) immer sehr am Herzen lag. Mit der Sammlung von alten Choreographien und der zeitgemäßen Umsetzung von Folkloretänzen erzielte er breite Publikumserfolge, und mit Büchern und Geschichten aus Pommern wurde er Mitautor mehrerer Bücher. 1971 gründete Haenel die Tanz- und Speeldeel „Ihna“ als Nachfolgerin der Pommernjugend. Dieses Ensemble wurde durch Konzerte und das Fernsehen mit deutschen Volks-, Kult- und Zunfttänzen weltweit bekannt.

Obwohl es immer ein Wunsch war, einmal nach Pommern zurückzukehren – er hatte sich nach der Wende sogar schon ein Grundstück dort gekauft – bleibt der heute 70-Jährige nun doch in Franken. Dafür aber trägt er die Volkstänze, die in den ehemaligen deutschen Ostgebieten längst in Vergessenheit geraten sind, wieder in ihre Heimat zurück.

 In Goleniow hat er eine Volkstanzgruppe gegründet, und den auf Usedom beheimateten Schwertertanz wird er nächste Woche dorthin zurückbringen, indem er ein Ensemble dort gründet. Mit der Volkstanz-Revue, die heute um 15 Uhr beginnt, bereitet Haenel vor allem älteren Menschen große Freude. Die Aktiven aber sind zwischen drei und 30 Jahre alt, denn immer mehr junge Leute interessieren sich für die Kultur in den ehemaligen deutschen Ostgebieten.

Neben seiner Tanz- und Speeldeel „Ihna“ sind die Kulturgruppe des BdV-Gehren aus Thüringen und das Tanzensemble „Wladimirez“ aus Erlangens Partnerstadt Wladimir mit dabei. Anekdoten, kleine Döntjes und viel Gesang runden den Nachmittag ab. kdsh.

Foto: Zwischen Trachten fühlt sich Eike Haenel (Mitte) wohl. Mitglieder der Gruppe "Ihna" und Tänzer aus Wladimir.