Erlanger Nachrichten, 17.08.2004
Lauter bunte
Traditionen
Baskische Folkloregruppe präsentierte
Tänze im Frankenhof
Baskischer
Volkstumsbrauch: der zu Ehren des heiligen Petrus aufgeführte
Fischertanz. Foto:Rainer Windhorst
ERLANGEN. Während die Eröffnung der Olymypischen Spiele in Griechenland
mit dortigen folkloristischen Ein- lagen auf Grund einer
Übertragungsstörung in etlichen Erlanger Haushalten nicht im Fernsehen
empfangen werden konnte, waren die Besucher des großen Folkloreabends
im Freizeit- zentrum Frankenhof mit kunstvollen Live- Vorführungen
besser dran.
So war neben einer prächtigen Karnevalsparade mit traditionellen Kopfbedeckungen auch der Fischertanz zu Ehren des heiligen Petrus besonders eindrucksvoll. Sechs blau gekleidete Tänzer, die Meereswellen symbolisieren, stemmen eine mittelalterliche Fischer-Zunfttruhe (das Boot), auf der ein Solist kultische Tanzschritte nach allen Himmelsrichtungen vollführt - wodurch das Meer gehörig in Bewegung gerät. Auch die Frauen präsentierten mit kunstvoll bestickten Gewändern, bunten Reifen und Bändern Braut- und Jahreszeitentänze zu der oft fremdartig klingenden musikalischen Begleitung durch Akkordeon, Saxofon und Blas- Schepperinstrumenten mit sprechenden Namen wie Dulzaina und Triki Trixa.
Einer der allerorts ältesten kultischen Tänze durfte weder bei den Spaniern noch im Tanzpotpourri der Gastgeber fehlen: Der Schwertertanz, in der Antike bereits von Tacitus erwähnt und im Mittelalter. zum Mannschaftstanz der Zünfte avanciert. Interessant war hier der direkte Vergleich - in der spanischen Variante eher ein hitziger Duelltanz, bei der deutschen in versöhnlichen Reigen mündend und bei beiden die kunstreiche Formierung eines Schwertkranzes, auf dem ein Schwertkämpfer zur Wiedergeburt emporgehoben wird.
Treffen der Generationen
„In unserem Haus treffen sich derzeit jeweils drei Generationen Spanier und Deutsche", erzählt die Großmutter eines zehnjährigen Mädchens, deren Tochter für die Koordination der Privatunterkünfte zuständig ist: Solch internationalen Kulturaustausch sieht neben der Pflege regionaler Volkskunst Ihnas künstlerischer Leiter Eike Haenel als Bereicherung an: „Unsere Tanzgruppe ist eben erst von einem Besuch in Holland zurückgekommen. Für den Tanz und das gesellige Beisammensein nehmen die Mitglieder auch private Einbußen auf sich. So kostet eine von Hand gefertigte und bestickte Pyritzer Weizäckertracht - früher bäuerli- ches Statussymbol - um die 700 Euro. Und ein Aktiver braucht fünf verschiedene Trachten, um das gesamte Repertoire mit Tänzen von Rügen, bis Erlangen aufzuführen.
"Wenn man das Ergebnis betrachtet, lohnt sich der Aufwand, und die schwungvolle Ihna-Bühnenshow machte Lust auf mehr: Beispielsweise auf die Volkstanzsuite „Erlanger Bilderbogen, die durchaus öfter einmal Erlanger Bürgern und städtischen Gästen gezeigt werden könnte. NATALIE BOST


