Tanz- und Folkloreensemble "Ihna"

aus Erlangen

Fränkischer Tag, 05.11.2005

Der Vater des Jazzbandballs

Der Herzogenauracher Eike Haenel wird von der Stadt Erlangen mit Ehrenbrief ausgezeichnet


HERZOGENAURACH / ERLANGEN. Eike Haenel kennt sie alle: Einem gewissen Bill Ramsey hat er die Erlanger Bergkirchweih gezeigt und Chris Barber schätzte vor dem Auftritt den Kaffee aus dem Hause Haenel. Seit 32 Jahren lebt Elke Haenel in Herzogenaurach, bekannt geworden ist er aber als "Vater" des Erlanger Jazzbandballs. (von Bernhard Panzer)

Seit Mitte der 70-er Jahre ist sein Name mit der beliebten Erlanger Jazzveranstaltung untrennbar verbunden. 26 Bälle hat er selbst organisiert, und bis heute steht er seinem Nachfolger beratend zur Seite. Doch das ist nicht der einzige Grund, weshalb die Stadt Erlangen den 67-Jährigen nun besonders ehrt und ihm am Sonntag den kulturellen Ehrenbrief überreicht.

Es ist auch besonders Haenels Liebe zu Pommern, der Heimat seiner Familie. Dadurch entstand sein Engagement bei der Pflege von Brauchtum und Folklore.

Eike Haenel hat 1971 die Tanzgruppe "Ihna" gegründet, die als eines der bekanntesten Folklore- Ensembles Deutschlands gilt, und ist heute noch deren künstlerischer Leiter. Und Eike Haenel ist es auch der 1975 in Erlangen das erste große Folkfestival auf die Beine stellte, das sich dann zum größten seiner Art in Deutschland entwickelt hat.

Aber es ist auch Haenels Geschichtsbewusstsein, das zu seinen markanten Merkmalen zählt und ihn zu einem würdigen Träger des Ehrenbriefs macht, wie der Erlanger Oberbürgermeister   Siegfried   Balleis seinen langjährigen Mitarbeiter lobt. (Photo Michael Busch: Eike Haenels kulturelles Wirken wird gewürdigt)

Gutes Verhältnis zu Polen

"Aus Versehen" in Berlin geboren, kehrte Eike Haenel als Kind in seinen Heimatort Greifenberg (Grifice) zurück, bevor die Familie 1945 vertrieben wurde. Dabei wollte der Großvater gar nicht weg, erinnert sich Haenel im Gespräch mit dem FT. Der hat damals doch eine Töpferei betrieben. Und von klein an lernte Eike das positive Verhältnis zu den Polen. Die polnischen Gesellen saßen damals mit am Tisch der Familie, erinnert sich Haenel. "Wir sind damals also echt vertrieben worden", sagt der Herzogenauracher, den es 1951 nach Erlangen verschlug. 1973 zog er nach Herzogenaurach, zwei Jahre später baute er hier sein Haus

Im gleichen Jahr begann Haenels kulturelles Schaffen in Diensten der Stadt Erlangen. Damals schwappte eine Welle durchs Land, Folklorefestivals zu organisieren. Viele Kommunen stellten ein eigenes Fest auf die Beine, so auch Erlangen. Das Vier - Tage - Spektakel auf dem Freigelände am Frankenhof lockte damals über 100 000 Zuschauer an und wurde somit zum größten in der Republik. Reinhard Mey und Hannes Wader sind zwei Namen, die mit diesen Festivals eng verbunden waren. In den 80-ern war dann Schluss, der Boom, war vorbei.

Ganz anders erging es dem Jazzbandball, den Haenel auch im Jahre 1975 zum ersten Mal auf die Beine stellte. Der sorgt heute noch für eine volle Lades-Halle. Auch wenn die heutigen  Zeiten mit den Anfängen nicht zu vergleichen sind. In drei Stunden waren die Bälle damals  ausverkauft,  bis  auf  den  letzten Winkel war die Stadthalle  belegt. 3300  Besucher brachte man damals schon unter. Und dann kam der erste Golfkrieg, und mit ihm das Tanzverbot. 1991 war's. „Seither mussten wir wieder werben, um Karten zu verkaufen", erinnert sich Haenel "So wie früher ist es nicht mehr geworden". (Photo: Marita und Eike Haenel, eingerahmt von Bil Ramsey und seiner Frau Petra) Ein Garant für den Erfolg des Balls über alle die Jahre hinweg waren auch die persönlichen Kontakte, die Haenel damals aufbauen konnte. Zu vernünftigen Eintrittspreisen gelang es ja jedes Jahr, Spitzenbands zu verpflichten. Dennoch war das Budget gering, "normale Gagen konnten wir ja nie zahlen". Haenel berichtet, dass die "wirklich Großen" damals aber die wenigsten Ansprüche gestellt haben. Deshalb hat das auch gut geklappt.

Der 67-Jährige erinnert sich: "Der Chris Barber war ein großer Kaffeetrinker. Daher musste immer meine Frau Marita mitkommen und ihn versorgen". Oder Oskar Klein, der immer eine bestimmte Sorte von Frankenwein brauchte, sonst trat er nicht auf. Aber das waren die Ansprüche dann schon auch, ein paar Macken hat eben jeder Musiker, aber Arroganz gab es nicht.

Eine besondere Freundschaft verbindet die Haenels mit Bill Ramsey, dessen Frau Petra einst in Erlangen studiert hat. Zur Silberhochzeit der Beiden wollte man sich was Besonderes einfallen lassen und sie vier Tage über die Bergkirchweih führen. "Aber der Bill wurde immer erkannt", schmunzelt Eike Haenel im Gespräch mit dem FT. Deshalb ist man ab dem zweiten Abend schon brav in einer kleinen Altstadtkneipe geblieben und hat dort gefeiert - ohne den Bergtrubel.

Eike Haenels besondere Verbundenheit gilt der alten Heimat Pommern. Schon in den 50-er Jahren begann die Familie in Erlangen das pommersche und ostdeutsche Kulturgut  zu  pflegen. Man   verstand  es, durch  den Tanz  junge Menschen zu begeistern. Und das ist heute noch so. In der Tanz-und Speeldeel "Ihna" sind schon junge Aktive ab 14 Jahren. Die deutsch-polnische Verständigung und auch Haenels Einsatz für die Folklore in Brasilien - es gibt viele weitere Ansatzpunkte, die Balleis in seiner Laudatio finden wird. (Photo: Auch Franz-Josef Strauß hat Eike Haenel (rechts) kennen gelernt)

Die schönste Stadt...

Jetzt, im Ruhestand, hat Eike Haenel etwas mehr Zeit für die Familie und für sein Enkelkind. Und er entdeckt langsam die Stadt, in der er seit drei Jahrzehnten lebt. Aber auch da geht es natürlich nicht ohne Brauchtum, so ist Haenel kürzlich beim Heimatverein eingetreten.

Als "Botschafter“ für Herzogenaurach ist er auch schon aufgetreten. Zur Hochzeit seiner Tochter hat er ihr bei einem Wunschkonzert im Bayerischen Rundfunk ein Lied bestellt, und ihr und allen Zuhörern Grüße "aus der schönsten Stadt der Welt'' überbracht, aus Herzogenaurach.