Tanz- und Folkloreensemble "Ihna"
(Choreographie Eike Haenel)
Klaus Granzow
beschreibt in seinem Buch "Sie wußten die Feste zu feiern - Pommersches
Brauchtum", Verlag Gerhard Rautenberg, Leer 1982, ein Erntefest in
Pommern wie folgt:
"Wenn die Ernte begann, waren viele alte Gebräuche zu beachten. Wie
jedes Dorf in Pommern sprachlich seinen kleinen Besonderheiten hatte,
so wichen auch die Erntebräuche stets ein wenig voneinander ab.
Was gegessen wurde? Auch das war in jedem Ort verschieden. In einem
Dorf gab es Kuchen und Butterstuten, im anderen Pfannkuchen und
Flinsen. Später galten Schweinebraten oder junge Hähnchen als beste
Malzeit. Beim Trinken gab es keine Unterschiede. Da gab es überall nur
das selbstgebraute Bier. Dieses Austbier wurde in jedem Jahr aufs neue
rechtzeitig zur Ernte angesetzt und gebraut.
Kam
während des Mähens der Besitzer oder ein Fremder auf's Feld, so
wurde er gebunden. Dabei legte der Vormäher dem Herrn ein Seil aus
Ähren um den Arm. Das Loskaufen wurde stets prompt besorgt, und nachdem
das Austbier hinuntergespült war, ging die Arbeit nochmal so flott von
der Hand.
War das letzte Fuder Getreide eingefahren, rüstete man zum Erntefest.
In Pommern wurde das Erntefest meistens am letzten Sonntag im September
gefeiert und eine Woche oder vierzehn Tage später im Oktober das
Erntedankfest. Die alten schönen Trachten wurden zu diesem Fest
angelegt. Die Männer hatten ihre Werkzeuge - Sensen und Forken - mit
buntem Krepp- oder Seidenpapier umwickelt und Blumen- und
Getreidesträuße am Hut. Die Mädchen hatten ihre Harken ebenso herrlich
mit flatternden roten, blauen, grünen und weißen Bändern geschmückt.
Der bekannteste Brauch in Pommern war die Gestalt des Alten. Diese
Strohpuppe wurde aus der letzten Garbe angefertigt. Aus Freude über das
glückliche Ende der Getreideernte tanzte man fröhlich und ausgelassen
um den Strohmann herum. Der Alte wurde dem Bauern oder Gutsbesitzer
von den Schnittern mit einem Spruch überreicht. Nun, der Alte wurde
niemals abgewiesen, sondern gern ins Haus genommen und für Musik und
Tanz, Essen und Trinken eingelöst."