Tanz- und Folkloreensemble "Ihna"
Russische
Hockschleuderschritte oder Kosakenschritte
in Pommern, in Deutschland, gab es die? Man kann es kaum glauben, aber
es gab
sie. Im 18. Jahrhundert waren sie in ganz Pommern allgemein beliebt und
gute
Kossak-Tänzer waren auf jedem Erntefest und jeder Hochzeit ganz
besonders gern
gesehene Gäste. Wie sind diese Tiefschritte nun nach Pommern gekommen?
"So ganz
typisch russisch sind sie im Ursprung übrigens nicht",
sagt Richard Wolfram in seinem Buch 'Die Volkstänze in Österreich und
verwandte Tänze in Europa' (Otto Müller Verlag, Salzburg
1951), "denn sie
stammen aus China
und sind durch ganz
Europa
gewandert. 
Die ungarisch - slowakischen
Haiduktänzer kennen sie und in
schwedischen und
norwegischen Burschentänzen kommen sie vor. Immerhin
wäre da
eine Übernahme aus dem Osten möglich.
Aber nun tanzen sie die
Engländer
auch in
„Hornpipe - Formen“, die Iren im „Jig“, die Schweizer beim „Gäuerlen“,
die
Franzosen im „Rigaudon“, Spanier in der „Charrada“ und sogar
griechische Hirten
in Attika. Weitere Forschungen ergaben, dass bereits die alten Griechen
vor
über 2.000 Jahren den Hockschleuderschritt von den Persern als
„Óklasma“ übernahmen
und selbst die Etrusker kannten ihn. Und bei den nordafrikanischen
Mangbetu sah
ihn der Forschungsreisende Schweinfurth. Mit einfachen Zuordnungen ist
es also
nicht immer getan."
Willi
Schultz, Pommerns bedeutendster Volkstanzforscher, hat den Tanz
in seinen
Tanzbüchern aufgenommen und meint, dass die Pommern durchziehenden
Kosaken –
Kolberg wurde während des siebenjährigen Krieges dreimal von den Russen
belagert – Tanzschritte abgeschaut haben und mit eigenen Tanzformen
vermischten. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass polnische und
ukrainische
Schnitter, die während der Erntezeit nach Pommern auf die großen Güter
strömten, die Tiefschritte mitbrachten. Auf den Erntefesten und auf den
Hochzeiten – geheiratet wurde nach der Ernte – wurde in Pommern
naturgemäß viel
getanzt. Da werden die ´Gastarbeiter´
aus Polen und der Ukraine ihre Tanzschritte eingebracht und damit viel
Erfolg
in der Frauenwelt gehabt haben. Das
ließen die pommerschen Bauernburschen wiederum nicht auf sich sitzen
und
brachten ihrerseits attraktive Solostellen ein, die sie teilweise auch
mit
Mädchen tanzten. So ist mit der Zeit ein Tanz entstanden, der deutsche
und
slawische Tanzelemente miteinander verbindet.